Augenklinik Sursee   Beratung und Behandlung in entspannter Atmosphäre
 

Stimmungsberichte rund um Fortbildungsveranstaltungen:

9th Swiss Refractive

«Biomechanics –
from Artefact to Fact!»

Kongress-Report

Biomechanik am Auge

Am 10. Juni 2006 veranstaltete die Augentagesklinik Sursee das neunte «Swiss Refractive» im KKL Luzern. Dieses Jahr standen die Vorträge und Diskussionen unter dem Motto «Vom Artefakt zum Fakt». Hochkarätige Redner mit dem exklusiven Beitrag zweier herausragender Physikerinnen begeisterten das Publikum. Wir freuen uns bereits auf das 10. Jubiläums – Swiss Refractive und wünschen den Organisatoren, dass noch viel mehr Teilnehmer herausfinden, was Ihnen bisher Tolles entgangen ist.

Der Veranstaltung ging einmal mehr ein Publikums-Event voraus, welches am 8. Juni über die Bühne ging. Über 100 interessierte Laien duften den Ausführungen von Dr. Bianchetti, Frau Dr. Eberle und Dr. Thumm lauschen, welche den aktuellen Wissensstand über Refraktive Chirurgie, Akupunktur und Auge sowie trockene Makulopathie und elektromagnetische Energieregulation zusammentrugen. Eine intensive Diskussion schloss sich den Vorträgen an. Wieder konnte ein Informationsbedürfnis, das uns von aussen angetragen wurde, entsprechend gestillt werden.

Biomechanik

Einfluss von Elastizität und Dicke der Hornhaut auf den Augendruck (© Roberts)

Für das grundlegende Verständnis vieler Vorgänge sind physikalische Grundkenntisse unabdingbar. In einer einmal mehr herausragenden «state of the art-lecture» verstand es Frau Professor Cynthia Roberts aus Ohio, die Zuhörer zu fesseln. Sie führte die Anwesenden durch die komplexen Strukturen insbesondere der Hornhaut, welche ja für die Refraktive Chirurgie von wesentlicher Bedeutung ist. Auch gewann man wieder einmal die Erkenntnis, dass wir erst herausfinden, wie wenig wir wissen, wenn wir anfangen, ein bisschen mehr zu verstehen. Die biomechanischen und biophysikalischen Zusammenhänge sind extrem komplex und beeinflussen nicht nur unser Denken und Handeln für die refraktive (Hornhaut-) Chirurgie, sondern auch oder sogar ganz besonders im Zusammenhang mit dem Augendruck und dem Glaukom. Seit einigen Jahren beschäftigt uns die Möglichkeit, die Hornhautdicke endlich genauer und besser zu erfassen.

Die Abhängigkeit der Dicke von der Genauigkeit der Messung war aber immer ein Diskussionspunkt. Frau Roberts konnte nun zeigen, dass die Dicke die weniger grosse Rolle spielt als die Rigidität und die innere Molekül- bzw. Lamellen-Vernetzung (das Cross-linking), welche wiederum altersabhängig, aber auch durch viele andere Faktoren, wie z.B. aufgenommene UV-Strahlung, beeinflusst ist. Wie wir aber diese Steifheit (oder Steifigkeit) am besten klinisch erfassen, ist noch offen. Mögliche Lösungen in bezug auf den Augendruck würden in einer Druckmessung bestehen, welche den Druck direkt abgreift (ein solches Gerät namens PASCAL® gibt es bereits), aber auch hier gibt es noch einige ungelöste Fragen, z.B. ist die Messgenauigkeit noch zu sehr vom Geschick bzw. vom Untersucher abhängig.

Physikalische Optik

Darstellung des hypothetischen Wirkprinzips einer der pseudo-akkomodativen Linsen (Modell 1-CU) (© Menapace)

Nicht nur das biomechanische Wissen steigt ständig, auch die physikalische Optik eröffnet uns insbesondere dank neuer Computer-Technologien ungeahnte Möglichkeiten. Ein ganzes Spektrum von Vorträgen ausgezeichneter Referenten wie Dr. Simona aus Locarno, Prof. Menapace aus Wien, PD Dr. Wahl und PD Dr. Preussner aus Mainz sowie Prof. Condon aus Irland erläuterte der interessierten und staunenden Zuhörerschaft die Entwicklungen. Noch immer warten wir auf die richtige adaptive Linse, die Möglichkeiten, mit multifokalen Linsen die Tiefenschärfe und damit auch das Nah-Sehvermögen zu verbessern, sind aber vielfältiger geworden, und wir können etwas genauer vorhersagen, ob und in welchem Ausmass ein Patient profitieren wird.

Die Unterschiede und einzelnen Vorzüge der zur Zeit erhältlichen Linsenmodelle wurden vorgestellt und gegeneinander verglichen. Es würde zu weit führen, dies hier im einzelnen darzustellen. Der Interessierte findet Angaben dazu im Fachteil unserer Homepage.

Spaltlampenfoto, 6-fach vergrössert, einer akuten Herpes-Iritis nach Implantation einer Artisan-Iris-Klauen-Linse (© Thumm)

Klinische Besonderheiten....

Natürlich fehlten auch Diskussionen über klinische Resultate und Möglichkeiten nicht.

Wie kann die Effizienz der LASIK verbessert werden? Warum werden trotz der international publizierten verbesserten Datenlage zu LASEK und dessen klaren Vorteilen noch immer hauptsächlich LASIK durchgeführt? Wie können wir die Verträglichkeit von Intraocularlinsen optimieren? Diese und ähnliche Fragen wurden am Meeting genauso erörtert wie Fragen der Gesundheit

... und Politik

Beispielhafte und selbsterklärende Dias aus dem Vortrag von Dr. M. Bianchetti

Hier spielen Faktoren mit, von denen wir vor 10 oder 15 Jahren nur geträumt hätten. Die «Öffnung» des Marktes führt auch zu Auswüchsen. Neuerungen werden stets als Non-plus-Ultra angepriesen und beworben, bevor überhaupt feststeht, ob sie einen klaren Vorteil darstellen. Öffentliches Gesundheitswesen, Einzelinteressen und sogenannte «allgemeine Interessen» (von wem werden diese eigentlich genau definiert?) und die damit verbundene Kompetition treiben öfters seltsame Blüten. Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Vorgängen ist unabdingbar und bleibt vornehme Aufgabe von uns Ärzten in der freien Praxis, wenn wir die Übersicht nicht verlieren wollen. Die Schlussworte von Dr. Marco Bianchetti zeigten dies beispielhaft.

 

Wer also den nächsten Kongress-Höhepunkt nicht verpassen will, sei daran erinnert: Das Jubiläums-Meeting, das 10th Swiss Refractive, findet am Samstag 2. Juni 2007 in Luzern statt, wiederum im KKL, und wiederum mit einem öffentlichen Publikumsevent am Donnerstag davor. Jedermann ist herzlich eingeladen.

Verfasst Ende Juli 2006.

Adresse des Autors:
Dr. med. Dietmar W. Thumm
Augenarzt FMH
Bahnhofplatz 4
6002 Luzern
www.augenarzt-lu.ch

Email Dr. med. Dietmar W.F. Thumm, Luzern


> Ausführlicher Bericht für Fachärzte (PDF)