Stimmungsberichte rund um Fortbildungsveranstaltungen: |
8th Swiss Refractive Luzern
Der Schwierige Weg zur Optimalen Versorgung
Am 4.6.2005 fand im Verkehrshaus Luzern zum achten mal der Schweizerische Kongress zur Refraktiven Chirurgie mit internationaler Besetzung statt. Die zahlreichen renommierten Referenten zeigten Neuerungen wie Epi-Lasik und die neueren Multifokalen Intraokularen Linsen, Wege zur Verbesserung der Infektprophylaxe und -Behandlung, zur Verbesserung der Excimer-Resultate und vieles mehr. Die lebhaften Diskussionen bewiesen das Engagement von Referenten und Teilnehmern.
Wiederum bewegte sich das Meeting auf einem sehr hohen Niveau. Es fällt den Organisatoren immer schwerer, die Vielfalt an Themen, an das OK herangetragene Wünsche und Referat-Vorschläge unter einen Hut zu bringen und im zeitlichen Rahmen von einem Fortbildungstag zu bleiben. Auch wurde erneut ein Teilnehmer-Rekord aufgestellt.
Konsolidierung erreicht?
Es stellt sich auf dem Gebiet der Refraktiven und Intraokularen Chirurgie ja immer wieder die Frage, ob man denn nun einen Level erreicht habe, der nicht mehr zu überbieten sei, ob man denn nun die anstehenden Probleme soweit gelöst habe, dass man auch die Nebenwirkungen und Kontraindikationen absolut im Griff habe und sich nichts mehr verbessern liesse.
Klar zeichnet sich ab, dass wir auf dem Gebiet der Laserchirurgie (Excimer) einen sehr hohen Qualitätsstandard erreicht haben mit im Verhältnis sehr niedriger Komplikationsrate und einer guten Vorgabe, welche Refraktionswerte mit welcher Korrekturmethode die besten Resultate verspricht.
Prof. Alio aus Alicante während einer Präsentation: Verrechnung von Zernicke-Polinomen
(Fotograf: Dr. K. Heldstab)
Klar zeichnet sich ab, dass die phaken Intraocularlinsen ihre eindeutigen Indikation haben, in guten Händen auch gute Resultate ergeben und erstaunlich sicher geworden sind.
Dennoch gibt es immer noch eine ganze Anzahl ungelöster Probleme, Kopfzerbrechen auslösender Knacknüsse und jede Menge Möglichkeiten für Verbesserungen und Innovationen.
Netzhautprobleme gelöst?
Der Hauptvortrag (State of the Art-Lecture) beschäftigte sich dieses Jahr mit den durch die Refraktive Chirurgie induzierten Netzhautproblemen. Seit Jahren wird postuliert, dass auch bei der doch stark manipulativen Lasik-Technik (Auge während des Lappenschnittes unter hohem Druck von mind. 60 mmHg) die Inzidenz von Netzhautablösungen zunehmen müsste oder dürfte oder sollte. Noch immer lässt sich dies aber nicht schlüssig beweisen, wir operieren in der Regel ja ohnehin an einer Risikogruppe mit erhöhter Inzidenz zu Netzhautproblemen.
In einer grösseren Studie zeigte sich nach 2 ½ Jahren in 2% eine Netzhaut-Ablösung. Das Risiko scheint also auf etwa das Doppelte erhöht. (Courtesy Prof. E. Messmer)
Ob allerdings sich die prophylaktische Behandlung der Netzhaut lohnt, kann noch nicht definitiv entschieden werden und ist wohl auch von der Art der Veränderungen abhängig. Professor Messmer empfiehlt die Prophylaxe in jedem Fall am anderen Auge, wenn ein Auge bereits an der Netzhaut operiert werden musste.
Presbyopie und Multifokale Korrekturen
Der Startschuss zu dieser Thematik ist gefallen. Die nächsten Jahre wird die Publikationsflut und Angebotsvielfalt ungeahnte Ausmasse annehmen, da die Presbyopen einen riesigen und potentiell finanzstarken Marktanteil ausmachen. Am 8th Swiss Refractive konnten die Teilnehmer sehen, in welche Richtungen sich die Entwicklung der nächsten Jahre bewegen wird. Die asphärischen Korrekturen werden den Markt erobern sowie immer ausgeklügeltere multifokale oder diffraktive Systeme. Die wirklich akkomodierfähige Intraokular-Linse wird so schnell nicht auf dem Markt erscheinen, noch sind wesentliche Fragen dazu nicht wirklich gelöst. Eine multifokale Korrektur mittels Laser-Technik wird auf einem brauchbaren qualitativ genügenden Level praktisch nicht zu erreichen sein.
Femtosekundenlaser: Der nächste Marketing-Gag?
Neu zum therapeutischen Spektrum hinzugekommen ist der fertigentwickelte Femtosekundenlaser. Mit ihm wird bereits, wie schon mit der Wavefront-Technologie, viel marketingmässiger Schindluder getrieben. Noch sind die eindeutigen Qualitäten dieses Lasers nicht genau definiert, noch ist nicht klar, ob die Vorteile der messerfreien Schnittführung beim LASIK die Nachteile wirklich überwiegen, noch ist unklar, ob die hohen Kosten dieses Lasers (600'000.-) wirtschaftlich tragbar und den Aufwand wert sind. Doch überall wird suggeriert, man müsse ihn haben. Wer also die Resultate und klinische Forschung erst mal abwartend beobachtet, sitzt jedenfalls im sichereren Boot.
Haben wir die intraokularen Infekte im Griff?
Eindeutige Fortschritte wurden erziehlt auf dem Gebiet der Infektiologie und der Prophylaxe schwerer Infekte. Interessanterweise haben die Häufigkeiten von intraocularen Infekten auch mit der Schnittführung und Grösse zu tun, und selbstverständlich auch mit der Dauer der Operation und der Häufigkeit von Manipulationen.
PD Dr. Mrochen präsentiert die Entwicklung des Femtosekundenlasers
(Fotograf: Dr. K. Heldstab)
Überzeugende Wirkung der neueren Flouroquinolone bei Endophtalmitis. (Courtesy Prof. O. Serdarevic)
Wir haben haben auch neue und potente Antibiotika erhalten, welche in der Lage sind, schon vor der Operation das Auge praktisch keimfrei zu machen, und auch nach der Operation eine genügende Sicherheit bieten, indem sie z.B. gut ins oculäre Gewebe penetrieren. Dazu zählen neuere Gyrase-Hemmer wie Gatifloxacin und Moxifloxacin.
Für Fachärzte steht unter der Rubrik Fachartikel eine ausführliche Fachpublikation zur Verfügung.
Für weitere Auskünfte bitte e-mail-Kontakt verwenden.
Adresse des Autors:
Dr. med. Dietmar W. Thumm
Augenarzt FMH
Bahnhofplatz 4
6002 Luzern
www.augenarzt-lu.ch
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