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Das Trockene Auge

Tränen sind lebenswichtig für unsere Augen

Tränen sind lebenswichtig für unsere Augen: Die Augenoberfläche wird durch einen regelmässigen Tränenfilm befeuchtet und geschützt. Fehlt dieser Tränenfilm oder ist er mangelhaft ausgebildet, können daraus schwere Krankheitsbilder resultieren mit Sehstörungen und sogar Zerstörung der Hornhaut (und damit Erblindung).

Tränendrüsen

Durch regelmässiges Blinzeln wird die Tränenflüssigkeit gleichmässig über das Auge verteilt. Sie enthält nicht nur Wasser, sondern viele Nahrungsbestandteile und Sauerstoff für die Hornhaut, Abwehrstoffe gegen eindringende Fremdstoffe und Keime. Der Schleim aus der Bindehaut hält die Flüssigkeit auf dem Auge, aus den Drüsen am Lidrand werden wichtige Fettsubstanzen zur Stabilisierung der Tränenflüssigkeit beigegeben, die eine zu rasche Verdunstung verhindern. Wir kennen heute die Zusammensetzung des nur 10 Micrometer dünnen Tränenfilms sehr genau, über 700 Substanzen wurden bereits analysiert.

Schichten

Die Regulierung dieses sehr empfindlichen Systems ist von vielen Faktoren abhängig. Nicht nur sind die Anatomie und Funktion der Lider wesentlich, auch Hormone, Fettstoffwechsel, Hauttyp, Aufbau und Empfindlichkeit der Hornhaut spielen eine wichtige Rolle, Altersveränderungen und chronische Krankheiten führen zu weiteren Problemen. Die Zusammensetzung des Tränenfilms ist abhängig von vielerlei Faktoren, deshalb können z.B. Medikamente eine erhebliche Verstärkung trockener Augen bewirken: Psychopharmaka, Antidepressiva, Betablocker, Chemotherapeutica seien hier nur als wichtige Beispiele genannt.

Die Symptome

Trockene Augen zeigen die unterschiedlichsten Symptome. Ein nicht selten geäussertes Symptom ist ein Druckgefühl am Auge, welches wahrscheinlich auf den Stress zurückzuführen ist, unter dem die Lid- und Bindehautdrüsen stehen. Der von allen so gefürchtete hohe Augendruck äussert sich selten so, unglücklicherweise verspüren wir den hohen Druck im Auge eben nicht, weshalb er so gefährlich ist.

Klassischerweise verspürt der Patient aber ein Kratzen oder Stechen und Sandgefühl, eben das Gefühl von Trockenheit, auch müde Augen werden häufig beschrieben, das unbedingte Gefühl, die Augen schliessen zu müssen. Nicht zu selten entsteht durch die Trockenheit ein Reiz, besonders dann, wenn die Tränenflüssigkeit zu dünn ist und sich schlecht über das Auge verteilt. Dann meldet die Hornhaut der Tränendrüse: "zu trocken", diese produziert mehr Flüssigkeit, die aber wiederum zu dünn ist und nicht auf dem Auge hält. Wir nennen dieses Phänomen "paradoxes Tränen", d.h. obwohl das Auge tränt, sobald es in geheizten oder klimatisierten Räumen, im Rauch oder in Kälte und Wind ist, hat es eigentlich zu trocken! Auch Lichtempfindlichkeit ist ein klassisches Symptom der geplagten Hornhaut, wenn sie zu lange im Trockenen sitzt. Häufig ist ihre Oberfläche dann bereits aufgerauht (wund), was sich auch in Sehverschlechterung, Blendung und Fremdkörpergefühl äussern kann.

Die Ursachen

Genau so vielfältig wie die Symptome sind die Gründe, weshalb ein trockenes Auge immer häufiger zum Problem wird: Häufige Verursacher sind

Ebenso beachten muss man

  • Rheumatische Krankheitsbilder
  • Diabetes mellitus
  • Schilddrüsen-Erkrankungen
  • Hauterkrankungen wie Akne oder Neurodermitis

Weniger häufig, aber nichtsdestrotrotz ausgeschlossen werden müssen

  • Weniger häufig, aber nichtsdestrotrotz ausgeschlossen werden müssen
  • Lähmungen (Gesichtsnerven)
  • Schädigungen von Auge und Lidern (z.B. Zustand nach Verätzung oder Verbrennung)
  • Allergien
  • Mangelerscheinungen (schlechte Ernährung, Vitamin-Mangel)
  • Missbildungen, wie z.B. eine fehlende Anlage der Tränendrüse oder verstopfte Tränenkanäle
  • Sjögren-Syndrom, eine Erkrankung direkt an der Tränendrüse

Dies ist auch der Grund, weshalb es häufig sinnvoll ist, als Patient mit seinem trockenen Auge den Spezialisten aufzusuchen, damit dieser mit verschiedenen teils sehr spezifischen Untersuchungsmethoden (Dickenmessung der Tränenflüssigkeit, Aufreiss-Zeit, Blinkfrequenz, Analyse der Fettschicht und der Schleimanteile (Farnkrauttest), Reiz- und Basis-Sekretion (nasale Stimulation, Schirmer-Test), Anfärbung der Tränenflüssigkeit, Oberflächen-Veränderungen, Ablagerungen) eine möglichst genaue Diagnose stellen kann.

Die Therapie

Diese ist abhängig von der Ursache der Störung und kann recht aufwendig sein. Entscheidend ist die Behandlung einer eventuell zugrunde liegenden Krankheit, anschliessend muss herausgefunden werden, welche Phasen des Tränenfilms insuffizient (ungenügend) sind. Man kann sowohl die Drüsen zu stimulieren versuchen, als auch die fehlenden Elemente substituieren (ersetzen). Dies wird mit sogenannten künstlichen Tränen durchgeführt, von denen es eine unglaubliche Vielfalt vernünftiger und teils weniger vernünftiger Präparate auf dem Markt gibt. Die meisten sind völlig ungefährlich, da es sich eben nicht um eine "chemische Therapie", sondern nur um eine physikalische Behandlung handelt (so eine Art "Nivea für’s Auge), also in erster Linie eine Hornhaut- und Bindehaut-Pflege darstellt.

Augentropfen

Augentropfen werden in den unteren Bindehautsack eingeträufelt. Die Flasche bzw. Tropfenspitze sollte das Auge nicht berühren. Tuben (bei Salben und Gels, die immer häufiger verwendet werden) kann man auch in die Nasengrube (den Sattel) legen und hinten drauf drücken, dann löst sich ein grosser Tropfen an der Spitze, der in den Bindehautsack bei der Nase fällt. Um zu vermeiden, dass ein Teil des Tropfens wieder hinausgedrückt wird, Lider nicht zusammenpressen, sondern langsam schliessen. Auge 1 bis 3 Minuten ruhen lassen mit geschlossenen Lidern.

Sehr wichtig bei der Therapie kann auch sein, dass begleitende Ueberempfindlichkeiten bzw. Allergien bestehen. Diese sind auch auf die in den Augentropfen vorhandenen Konservierungsstoffe möglich, folglich muss eine konservierungsmittelfreie Therapie mit Einzeldosen gewählt werden.

In manchem Fällen sind begleitende Massnahmen, z.B. entzündungshemmende Tropfen oder eine Lidmassage notwendig, ebenso ist oft das Reinigen des Auges mit einer speziellen Seife zu empfehlen. Eine spezielle kosmetische Beratung ist oft unabdingbar, oft dürfen gar keine oder nur noch reizarme Kosmetica verwendet werden, der Kajalstift ist häufig verboten, in jedem Fall niemals die Innenkante des Unterlides schminken (die durch die Wimpern gebildete Grenzlinie gilt als Tabuzone, die nicht überschritten werden darf). Der Kajalstift verstopft die auf der Innenkante liegenden Drüsenausgänge und verschlimmert das Problem.

Manchmal helfen lauwarme Umschläge, besonders wenn das Auge morgens verklebt oder ausgetrocknet ist, sehr geeignet sind lauwarme Schwarzteebeutel.

Nicht bewährt hat sich das regelmässige Ausspülen der Augen mit kaltem oder lauwarmem Wasser. Dieses führt zwar zunächst zu einer angenehmen Erleichterung, das Wasser spült aber den letzten Rest noch vorhandender Tränenflüssigkeit weg und das arme Auge ist wieder der ganzen Wucht der Umwelteinflüsse ausgesetzt.

Umwelteinflüsse

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Regulierung des Tränenabflusses. Hierbei sind raffinierte Techniken einsetzbar, so gibt es seit einiger Zeit Kunststoff-Stöpsel, mit denen der Eingang des Tränenkanals blockiert werden kann. Die Tränenflüssigkeit verbleibt somit länger auf dem Auge, auch künstliche Tränen wirken länger, und oft wird die Therapie dadurch erheblich vereinfacht. Es gibt bereits auch einen Stöpsel, der wie ein Ventil wirkt: Ist wenig Tränenflüssigkeit im Auge, bleibt der Kanal zu, kommt viel, fliesst über die Kapillarwirkung Tränenflüssigkeit ab (bevor es zum Tränenträufeln kommt).

Sollten die Stöpsel zwar nützen, aber störend wirken oder nicht gut ertragen werden (oder häufig herausfallen), so kann auch ein ständiger Verschluss der Tränenpünktchen mittels einer Elektro-Koagulation vorgenommen werden. Dies ist ein sehr kleiner ambulanter Eingriff (nur die kleine Spritze ist etwas unangenehm) von 5 Minuten.

In diesem Rahmen nicht eingegangen werden kann auf komplizierte Behandlungen etwas komplexer Krankheitsbilder.

Was können Sie selber vorbeugend tun

  • Vermeiden Sie Zugluft
  • Verwenden Sie Luftbefeuchter
  • Meiden Sie überheizte und verrauchte Räume
  • Trinken Sie genug Flüssigkeit
  • Tragen Sie Ihre Brille, wenn Sie eine haben
  • Blinzeln Sie häufig und gönnen Sie Ihren Augen eine Pause, besonders vor dem Bildschirm
  • Üben Sie Zurückhaltung beim Schminken
  • Benutzen Sie Nachbenetzungslösungen beim Kontaktlinsentragen
  • Verwenden Sie nie Augentropfen, die gefässverengernde Substanzen (d.h. z.B. niemals Visine® verwenden) oder Cortison enthalten, damit machen Sie die Sache nur schlimmer