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6th Swiss Refractive Surgery
by Augentagesklinik Sursee

Samstag, 7. Juni 2003
Verkehrshaus Luzern, Schweiz

Kongress-Bericht

von Dr. med. Dietmar W. Thumm

Auf zu neuen Horizonten

Seit 6 Jahren veranstaltet die Augentagesklinik Sursee ihr Schweizer Meeting für Spezialisten der Refraktiven und Intraocularen Chirurgie.

Dieses Jahr war der Kongress vom 5. – 7. Juni 2003 geprägt vom Zusammentreffen hochkarätiger Referenten, welche Ihr Wissen und Ihre Knacknüsse dem interessierten Publikum darlegten. Durch die Grösse und Art des Anlasses entwickelt sich das Swiss Refractive zu einer Art «R8», ein jährliches Treffen der «Gurus der Refraktiven Chirurgie am Kaminfeuer».

Wie seit einem Jahr üblich, war der Kongress begleitet von einer Publikumsveranstaltung, welche den aktuellen Wissensstand auf einfache Art und Weise auch für Laien verständlich darzulegen versuchte. Wie jedes Jahr war die Veranstaltung sehr gut besucht und entspricht offenbar einem Bedürfnis, sodass auch dieser Anlass nächstes Jahr wiederholt wird.

Das alternde Auge und seine Probleme

(Dr. Urs Thomann)

Dr. Urs Thomann, Mitglied der Augentagesklinik Sursee, eröffnete den Kongress mit einigen herzlichen Worten und ging dann schnell in medias res. Das Hauptthema, welches zur Zeit alle Augenärzte beschäftigt, sind die Veränderungen des alternden Auges. Nebst all den ungelösten Fragen rund um den Stoffwechsel, die Makulopathien und ähnlichen Problemen beschäftigen den Chirurgen natürlich die Impacts auf Refraktion und Sehvermögen.

Viel lernen wir täglich dazu, und neue Erkenntnisse erklären, wieso wir bis anhin mit unseren Korrekturmöglichkeiten eben doch oft keine 100%ige Sehkraft zu erreichen vermögen, oder zwar einen guten Visus, aber viele weitere störende Elemente in Kauf nehmen müssen wie Blendung, zeitweises Nebelsehen, Streulicht-Phänomene und anderes mehr.

Die Industrie gibt sich viel Mühe, die Entwicklung voranzutreiben, und verschiedene unterschiedliche Ideen drängen auf den Markt. So gibt es eine Linse mit UV- und Blaufilter für die Cataract-Chirurgie, deren gelbe Farbe und Gelbstichigkeit des Bildes aber bis anhin noch recht viel zu reden gibt, die erste asphärische Linse (Tecnis) ist auf den Markt gekommen, welche die negative Asphärizität der natürlichen Linse zu imitieren versucht, eine ultradünne Linse passend zur Kleinschnitt-Chirurgie (Thinoptix). Alle diese Entwicklungen zeigen den Weg zur zukünftigen «costumized lens surgery», d.h. es wird in Zukunft wohl nicht mehr ein einziges Standard-Verfahren geben, sondern man wird eine den Bedürfnissen des Patienten angepasste Methode anbieten können.

Thinoptix® als Beispiel einer neuen IOL-Generation

Thinoptix® als Beispiel einer
neuen IOL-Generation

(alle Bilder und Grafiken, wenn nicht anders erwähnt: by courtesy Dr. U. Thomann)

Nebst den Ideen zur grundsätzlichen Verbesserung der Linsenchirurgie arbeitet man auch an den Möglichkeiten der Erhaltung oder Wieder-Ermöglichung der Akkommodation. Die AT-45, die 1-CU und die Thinoptix sind z.Zt. die am meisten untersuchten Kandidaten, allerdings hat es bis jetzt keine der Linsen geschafft, wirklich zu überzeugen und alle Kriterien zu erfüllen.

In seinem Vortrag konnte Dr. Thomann also auch zeigen, dass allein die Alterungsvorgänge an und für sich schon der Wavefront-Technologie Grenzen setzen, was der eigentliche Titel seines Vortrages war.

Die Pupille – oft unterschätzt in ihrer Wichtigkeit

(PD Dr. Burkhard Dick)

Der Originalbeitrag von PD Dr. Dick hiess «Pupillometry and Funktional Optical Zone – State of the Art” und deckte allumfassend ab, was wir eigentlich wissen sollten und jedes mal beachten sollten und doch immer wieder vergessen.

Der Pupillendurchmesser nimmt zwar mit zunehmendem Alter im Durchschnitt etwas ab, und da sich die einfallende Lichtmenge und damit auch Streulichtphänomene mit dem Faktor vier reduzieren, eine nicht unwesentliche Erkenntnis, die uns bis anhin bei der Cataract-Chirurgie wohl recht viel geholfen hat, bei der Refraktiven Chirurgie aber zu üblen Geschichten führen kann, wie die berühmte «Stephan Post – Story» aus den Staaten (ja wo denn sonst?!) beweist.

Stephan Post war Pilot bei den United Airlines und 35-jährig, als er sich einer LASIK-Operation unterzog. Vor dem Eingriff wurden (offenbar sogar mehrmals) die Pupillendurchmesser bestimmt, die bei 5 mm lagen, weshalb man bedenkenlos eine optischen Zone von 6.5mm für den Eingriff wählte. Die skotopische Pupillenmessung nach der Operation zeigte aber eine erheblich grössere Pupille von sogar über 7mm. Mister Post hatte ein Problem, denn er konnte unter Dämmer- und Nachtbedingungen nicht mehr fliegen, und war damit mehr oder weniger berufsuntauglich. Er verklagte den behandelnden Arzt bzw. die Klinik und gewann: 4 Millionen Dollar!

Unter anderem ist ausserordentlich wichtig, ob man einseitig oder doppelseitig misst. Dies zeigt eine Studie von Dick et al. aus diesem Jahr, welche die Geräte von Colvard, Procyon und WASCA miteinander verglich, und dabei feststellte, dass binocular messen wahrscheinlich besser ist, da monocular engere Pupillengrössen messbar sind. Dies gilt für Dämmerlicht (6.4 Lux) ebenso wie für mesopic low light. Die Zuverlässigkeit der Geräte lag übrigens bei allen gleich im Bereich von 97-98%.

Und ausserdem sieht der Untersucher nicht immer alles korrekt, da die Hornhaut das Bild verfälscht: Tatsächlich ist die Pupille ca. 0-5mm weiter hinten als gemessen und die «echte» Pupille auch rund 14% grösser (!).

Verschiedenste Messmethoden stehen zur Verfügung, die alle ihre Tücken haben: Die Rosenbaum-Card lässt zwar relativ gute Vergleiche zu (abhängig vom Untersucher), ist aber im Dunkeln sehr schwierig zu benutzen. Die statischen Bilder der Videokeratografen und Aberrometer sind schnell, reproduzierbar und automatisch zu generieren, aber in der Regel unterschätzen die Geräte die Pupillengrösse! Auch der Vergleich an der Spaltlampe hat seine Tücken, da sie relativ hell ist.

Ferner gibt Dick an, man solle für die Messung im Dunkeln mindestens 2 Minuten warten, da die Pupille etwas verzögert noch mehr aufgeht.

Die Funktionelle Optische Zone (FOZ) nimmt also ab, je höher die Korrekturwerte sind, da wir zudem bei der Myopiekorrektur in der Regel von einer prolaten in eine oblate Hornhautform wechseln.

Medikamentös kann bei zu weiten Pupillen im skotopischen Bereich eine enorme Wirkung erzielt werden. Geprüft wurden z.B. Dapiprazole (Remydriale®, in der Schweiz nicht auf dem Markt) und Brimonidine (Alphagan®). Letzteres kann die Pupille um rund 1.4mm verengen und bleibt für rund 2 Stunden stabil. 1 Tropfen abends kann hier also unter Umständen Wunder wirken.

Dennoch: Nicht alle Glare sind pupillenbedingt.

Zufügen statt Abtragen

(Dr. Filippo Simona)

Dr. Simona aus Locarno trägt stets zum Gelingen des Meetings bei und zeigt Probleme und Lösungsmöglichkeiten aus Schweizer Sicht. Es hatten sich im Laufe des letzten Jahres ein ganzes Sammelsurium komplizierter Krankengeschichten angehäuft, aus denen er diverse Problemfälle und deren Lösungsversuche präsentierte. So zeigte er die Möglichkeiten der ICR, der intrastromalen Ringe (Intacs, Ferrara-Ringe) auf, welche durch ihre oberflächliche Handhabung auch für nicht so geübte Chirurgen eine «einfache» Alternative darstellen. Er führte ein Beispiel vor, wo bei einer Hornhaut-Restdicke von 337 Mikrometern nach Lasik eine ehemals oblate Oberfläche wieder in eine prolate überführt werden konnte durch Implantation von Intacs.

Videomitschnitt

Videomitschnitt Dr. D. Thumm

PD Dr. Dieter Eisenmann aus St. Moritz betont ebenfalls die Vorteile prolater Ablationen, wie sie mit dem MEL 80 von Carl Zeiss Meditec möglich sind.

Simona führte geeignete Berechnungsformeln für Augen mit Keratoconus vor. Von Dr. Levisolo aus Milano wissen wir ja, dass er bei Keratoconi mit Erfolg auch einseitige Intacs einsetzt.

Auch Dr. Simonas Anliegen ist stets, zu zeigen, dass in gemeinsamer Zusammenarbeit oft auch in verzweifelten Fällen noch Lösungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Lasik versus Lasek

(Patrick I. Condon, MD)

Dr. Condon aus Waterford in Irland hat ebenfalls eine enorme Erfahrung mit dem Excimer-Laser und präsentierte am Vormittag Ueberlegungen zur besten Myopiekorrektur und am Nachmittag einige Knacknüsse nach ungewöhnlichen Mikrokeratom-Problemen.

Seine Quintessenz: LASIK ermöglicht sehr wohl die Korrektur höherer Myopien und Astigmatismen bei häufig auch schlechterer präoperativer BCVA (bestem Visus mit Korrektur), LASEK aber zeigt primär postoperativ die besseren Resultate.

Condon betont ausdrücklich die bei beiden Prozeduren bestehende Infektionsgefahr. In seiner Vergleichsstudie kam viermal bei Lasek und zweimal bei Lasik eine schwere Infektion vor. Insbesondere aufpassen müsse man bei einer Rosacea, die auch mal subklinisch vorhanden sein kann. Immer nach latenter Blepharitis (und unklarem trockenem Auge) forschen!

Die Flap-Failure-Rate (gröbere Probleme mit dem Flap) liegt bei 2.7%, wobei die meisten Prolbeme inkomplette Flaps, irreguläre Schnitte, enge Orbitae und zentrale Falten nach dem Schnitt darstellten.

Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung gibt es bei beiden Verfahren. Bei Lasek scheint ein gel-assisted procedure eine Vereinfachung und Verbesserung zu bringen, und selbstverständlich die Epi-Lasek, über welche weiter unten berichtet wird. Die mögliche Rolle von Mitomycin C muss noch geklärt werden, Versuche mit einer unscharfen Beckton-Dickinson-Klinge wurden gezeigt. – Bei der Lasik müssen die Möglichkeiten des Femtosekundenlasers noch genauer unter die Lupe genommen werden, und noch immer sind an den Mikrokeratomen Verbesserungen denkbar, insbesondere im Bereich der Klingen.

Zusammenfassend:

  • Lasek braucht kein Mikrokeratom
  • Lasek ist damit relativ risikoarm im Verhältnis zu Lasik
  • Verbesserungen können bei Lasek behandelten Augen relativ leicht und sicher durch zusätzliche/sekundäre Lasik-Massnahmen erziehlt werden
  • Lasek ist ideal für trockene Augen, dünne Hornhäute, grosse Pupillen, Vorderabschnittsdystrophien, Höhlenaugen, Microcornea und andere Probleme, wo der Saugring Schwierigkeiten macht oder Lasik kontraindiziert ist
  • Der Visus am ersten postop. Tag ist bei Lasik wesentlich besser, nach 1 Monat scheint Lasek fast besser, was aber über 6 Monate nicht gehalten werden kann
  • Lasek ist eine ideale Alternative bei Myopie bis –6 dptr besonders bei Augen mit hohem Lasik-Risiko

Proexcimer – der Computer hilft bei der Datenverwaltung

(Dr. B. Zuberbühler)

Dr. Zuberbühler, zur Zeit Assistent an der Augenklinik des Kantonsspitals Luzern, präsentierte sein von ihm selbst entwickeltes Computerprogramm, das auf sehr einfache Weise eine statistische Auswertung aller prä- und postoperativen Daten von Laserpatienten ermöglicht. Gedacht ist das Programm auch für Patienten anderer refraktiver Verfahren. Interessenten setzen sich am besten direkt mit dem Autor in Verbindung.

Angeregte Diskussionen
Angeregte Diskussionen Angeregte Diskussionen

Angeregte Diskussionen zwischen den Vorträgen und in der Mittagespause

(Videomitschnitte)

Astigmatismus behandeln? Wenn ja, wie?

(PD Dr. Isaak Schipper)

Auch Dr. Schipper präsentierte in seiner gewohnt souveränen Art die immantenten Probleme des Astigmatismus. Mit der Regel ist der Astigmatismus durchaus gut für die Ferne, gegen die Regel besser in die Nähe, was mit verschiedenen Studien bestätigt und von Schipper selbst ebenfalls überprüft wurde. Ein Aniso-Astigmatismus kann besonders bei ATR (against the rule-asti) zu Phorien führen.

Bei Astigmatismus-Korrekturen ist immer zu überlegen, ob der korneale oder der refraktive Astigmatismus korrigiert werden soll (Schipper tendiert zu letzterem, aber nicht zu 100%), die Prognose ist bei höheren Astigmatismen besser. Bei hohen Minuscylindern muss das Shifting beachtet werden, weshalb eine Ablation nach der Kreuzcylindermethode zu bevorzugen ist. Niedrige Cylinder weisen eine schlechte Vorhersagbarkeit auf.

Schipper fand in bezug auf den erreichbaren Visus keinen grossen Unterschied, ob der Cylinder korrigiert wurde oder nicht, auch zwischen LASIK und LASEK ist nichts Signifikantes zu entdecken.

Insgesamt handelt es sich um ein immer noch recht schwieriges Gebiet, die Lage der Achse ist wichtig, niedrige Cylinder sind eventuell besser nicht zu behandeln. Höhere Cylinder gehen recht gut mit Lasik, für sehr hohe Astigmatismen eignen sich besser torische IOL, von Human Optics gibt es Z-Haptik-Linsen bis 30 Dioptrien.

In der Diskussion zeigte sich die Wichtigkeit der «line of sight». Dr. Dick musste mal eine perfekt zentrierte HKL wieder dezentrieren, damit der Patient zufrieden war (Myope haben oft eine «Dezentrierung» ihrer optischen Achse nach inferior und nasal).

Innovationen und Gegensätze des Presbyopie-Managements

(Prof. Olivia Serdarevic)

Dass Frau Professor Serdarevic aus New York erneut am Kongress teilnehmen wollte, war eine besondere Freude. Entsprechend dem aktuellen Thema hat sie in ihrer gewohnt umfassenden Art Realität und Unsicherheiten bei der Presbyopie-Korrektur dargestellt. Was ist pseudophake Akkommodation, was Pseudo-Akkommodation? Was sicher seit 1999 (Streule,IOVS) mittels MRI-Untersuchungen bewiesen ist, ist die leichte Zunahme der Linsendicke im Alter, und die Abnahme der Linsendickenänderung gegen Null ab etwa dem 50.ten Lebensjahr. Ausserdem wird der Ciliarmuskelring kleiner im Alter, wodurch logischerweise seine mögliche Krafteinwirkung auch geringer wird.

Aberrations in the Ageing Eye

 

Koopmans et. al zeigten im Januar an der diesjährigen IOVS ihre Prüfungen an Affen, bei der sie gleichzeitig das Linsenstretching und die Brechung massen, sowie die Druckänderungen im Gläskörper. Die komplexen Daten zeigen, dass eine sehr dynamische Aberration stattfindet, man findet mehr sphärische Aberration bei myoper Konfiguration. Es bleibt also die eigentlich Frage nach wie vor im Raum stehen, wie wir wirklich akkommodieren, wie Frau Serdarevic betonte.

Auch zur Pseudoakkommodation äusserte sich Frau Professor Serdarevic. Möglicherweise kreieren wir einen multifokalen Effekt in der Linse, wenn wir sklerale Expander einsetzen oder Schnitte machen. Es würde den Rahmen dieser Publikation sprengen, alle ihre ausführlichen Analysen hier zu erläutern.

Videokopie

Videokopie Dr. D. Thumm,
autoris. Serdarevic

Nur noch dieses: Zu den aktuellen Linsen, welche eine Akkommodation ermöglichen sollen, äusserte sie sich ebenfalls. Theoretisch zumindest ist eine Verschiebung der IOL nach vorne um 2,2 mm innerhalb des Auges nötig, wenn eine Akkomodation von 2,9 Dptr erreicht werden sollen. Laser-interferrometrisch wurden die Linsen 1CU und AT 45 geprüft: Die 1 CU bewegt sich <1mm, die AT 45 geht, wenn überhaupt, sogar nach hinten statt nach vorn. (Bestätigt werden diese Zahlen übrigens auch durch Untersuchungen aus Wien, wo man sich sehr kritisch mit den neuen Konstrukten auseinandersetzt.)

Ideal IOL Design

 

Die Biometrie bei Phaken IOL’s

(Kenneth J. Hoffer, MD)

Auch Ken Hoffer aus dem Kalifornischen Santa Monica war dieses Jahr sozusagen aus eigenen Stücken hier und verband eine Europa-Reise mit einem Besuch des Luzerner Meetings. Sein profundes Wissen über Ultraschall und damit verbundene mathematische Optik (oder optische Mathematik) verblüffte einmal mehr die Zuhörerschaft. In einfachstem logischem Aufbau und stupender Beweisführung zeigte er die notwendigen Formeln zur Berechnung der Axenlänge bei Biphaken (PIOL = phake IOL) auf.

Den Fehler in der Biometrie kann man mit folgender Formel darstellen:

Error E = AL + T * (1-1555/980) ,

wobei T die aktuelle Linsendicke des Pseudophakos darstellt.

Die weiteren aufschlussreichen Darlegungen möglicher und bereits gemachter Fehler können hier nicht im Detail wiedergegeben werden.

Dynamik des Sehvorgangs und Epi-Lasik

(Ionnis G. Pallikaris, MD)

Dr. Pallikaris, der längere Zeit in Zürich gearbeitet hat und jetzt im schönen Heraklion in Griechenland tätig ist, hat aus seiner Fülle an Material zwei Themen ausgewählt, die nur durch die Tücken der Technik etwas getrübt waren: Es gab Missverständnisse zwischen seinem Computer und dem Beamer, die erst nach einiger Zeit gelöst werden konnten.

Immerhin ist bemerkenswert, dass alle bis anhin gemachten Studien sich in der Regel mit dem Fernvisus auseinandersetzen oder zumindest der Fernvisus als entscheidendes Mess-Kriterium verwendet wurde. Es gibt aber eine ganze Anzahl von Leuten, die einen besseren Nahvisus brauchen.

Pallikaris zeigte ein Video, auf dem sehr schön zu sehen war, wie die «Aberration map», also die Kartografie der Abberationsmuster sich während der Akkommodation ändert. Mit zunehmendem Alter werden diese Aenderungen weniger, auch die Akkommodationszeit (die Zeit, welche vergeht zwischen maximaler Fern- und Naheinstellung) ändert sich mit dem Aelterwerden, was natürlich von entscheidender Bedeutung ist.

Lens-Surgery

 

Während des Tages ändert sich auch das zentrale retinale Mosaik, nachts haben wir ein dickeres Pigmentepithel wegen der Regenerationsprozesse. Welche Rolle spielen alle diese Phänomene, wenn wir eine «Supervision» (Visus 2.0 oder gar 3.0) anstreben wollen? Pallikaris jedenfalls würde erst mal die Dichte der zentralen Zapfen messen für eine bessere Voraussagbarkeit des maximal erreichbaren Visus. Vielleicht ist ja im einen oder anderen behandelten Fall der theoretische Visus auch besser, lässt sich aber nicht mehr verbessern wegen der bereits reduzierten Zelldichte.

Sein zweites Thema, das er am Nachmittag präsentierte, war die Erfindung des Epi-Lasik. Nicht ganz nur aus Bequemlichkeit, sondern um die Heilungsprozesse zu erleichtern, suchte Pallikaris nach einer Methode, für die Lasek das Epithel mitsamt Basalmembran zu entfernen. Die Abhobelung der Hornhautoberfläche führt nämlich zu einer ganzen Anzahl chemischer und physikalischer Prozesse, welche zum Teil kontraproduktiv sind (Schmerz, Ausschüttung von Cytokinen). Nach seinen Ausführungen ist die Bowman-Membran sehr wichtig, da sie ein Zuviel an TGF-beta verhindert (ein Teil davon wird ja bei der Laserei trotzdem abgehobelt, Anm. des Autors). Deshalb möchte Pallikaris so schonend wie möglich das Epithel entfernen und am besten gleich auf eine Kontaktlinse aufladen, mit der es wieder korrekt zurückgelegt werden kann. Das Gerät ist nun entwickelt und heisst Centurion SES TM und wird in der Schweiz von Ciba-Vision (noch) vertrieben.

Seinen Ausführungen war zu entnehmen, wie wichtig der korrekte Augeninnendruck und die richtige Instrumentengrösse sind. Seine Resultate zeigen nach fünf Tagen eine bessere Visusentwicklung als Lasek mit Alkohol, jedoch nicht ganz so gut wie Lasik.

Weitere Highlights

Der Rahmen dieser Zusammenfassung würde absolut gesprengt, würden hier im Detail die weiteren Ausführungen aller anderen Vortragenden aufgelistet. Erwähnen möchte ich die Vorträge von Dr. Paul-Rolf Preussner aus Mainz sowie seinem Kollegen Dr. Jochen Wahl, welchletztere spezielle intraoculare Linsen aufgrund der von Preussner intensiv erläuterten Vorbemerkungen vorstellte. Preussner zeigte in sehr anschaulicher Weise, dass es technisch gar nicht möglich ist, alle Aberrationen zu korrigieren. Je nach Aberrationsfiguren gibt es starke Abweichungen zwischen dem sphärischen und dem refraktiven Resultat. Den besten Effekt der wavefront-Korrektur erhält man, wenn eine solche eigentlich gar nicht nötig ist(!).

Auch Prof. Dimitrij Dementiev aus Milano präsentierte direkt von der praktisch chirurgischen Seite die neusten Entwicklungen bzw. seine Sicht, wie sich die IOL-Chirurgie im 21. Jahrhundert entwickeln wird. Ganz klar geht der Trend in Richtung Kleinschnitt-Chirurgie, und sprach man noch vor wenigen Jahren von Kleinschnitt, wenn man endlich auf 4mm unten war, so sind damit inzwischen knapp 1 mm bis 2 mm gemeint! Solche Linsen gibt es bereits, die Thinoptix geht seiner Meinung nach durch 1.45 mm, die Ultra Choice 1.0 ev. sogar durch 1 mm.

Auf den Vortrag von PD Dr. Dieter Eisenmann aus St. Moritz bin ich bereits weiter oben eingegangen.

Beispiel einer Small-Incision-Chirurgie

Beispiel einer Small-Incision-Chirurgie

Oft werden Äpfel mit Birnen verglichen

Oder auch mit anderen Früchten. Eines der grossen Probleme, welche natürlich nicht nur die refraktiv tätigen Chirurgen beschäftigt, ist die immer grössere Zahl von teils völlig nutzlosen Studien, da sie nicht miteinander vergleichbar sind, was aber trotzdem immer wieder versucht wird und dann zu erheblichen Missverständnissen und Desinformationen beiträgt.

Es ist deshalb um so wichtiger, dass sich insbesondere die Opinion-Leader immer wieder treffen, um genau über solche Probleme zu reden und Konsensus-Konferenzen abzuhalten.

Die Zusammenfassung = Synopsis wurde wie immer in eleganter Weise von Dr. Bianchetti, Leitender Arzt der Augentagesklinik Sursee präsentiert. Die grosse Frage, was uns die Aberrometrie und wave-front-Analyse wirklich bringt, brachte er auf diesen Punkt: Es ist definitiv kein therapeutisches Werkzeug, aber ein excellentes diagnostisches Hilfsmittel.

Die Take-Home-Messages dieses Meetings sind eher Fragen denn Antworten:

  • Wird LASEK die LASIK auf dem Gebiet der leichten Myopie verdrängen?
  • Ist LASIK wirklich so sicher, wie zur Zeit behauptet wird?
  • Wollen wir lieber Hornhaut-Falten oder Haze?
  • Warum sind Vortragssäle, wo über Komplikationen von LASIK geredet wird, praktisch immer überfüllt?
  • Ist LASEK ohne Alkohol sicherer und besser?
  • Welche Pupillengrösse behandeln wir tatsächlich?
  • Welches Alter behandeln wir (sollen wir behandeln)?
  • Wie zentrieren wir das Auge korrekt für den Eingriff und/bei den präoperativen Untersuchungen?
  • Wann kommt eine «richtige» akkommodative Linse?

Kein Meeting ohne Begleitprogramm

Wie immer bei einer Veranstaltung der Augentagesklinik Sursee werden wissenschaftliche Highlights mit anderen (z.B. kulinarischen) Höhenflügen kombiniert. Die angemeldeten Teilnehmer konnten eine Schifffahrt nach Weggis geniessen (und nachts bei Mondlicht wieder zurück!) und ein wunderbares Menü im Parkhotel Weggis, mit vorzüglichen Weinen, die von Stefan Dorst präsentiert wurden.

Begleitprogramm
Begleitprogramm

Wie jedes Jahr lädt das Team der Augentagesklinik Sursee
zu einem kulinarisch- kulturellen Höhenflug ein
(dieses Jahr unter Mithilfe eines Sponsors)

Das grösste Highlight ist aber, dass auch nächstes Jahr wieder ein Swiss Refractive stattfindet, und zwar vom 3. – 5. Juni 2004, bitte Datum vom Samstag 5. Juni 2004 auf jeden Fall schon mal vormerken.

Lassen Sie mich diesen Kongressbericht mit einem Zitat von Henry Ford beenden, das auch Kollege Simona in seinen Vortrag eingeflochten hat: «Es gibt keinen echten Fortschritt, solange eine neue Technologie nicht für jedermann erhältlich ist.»

Eine Zusammenfassung, einen Artikel zur Thematik sowie Hinweise und Aktuelles zum nächsten Kongress findet der Interessierte wie immer auf unserer Homepage: www.augentagesklinik.com.

Adresse des Autors:
Dr. med. Dietmar W. Thumm
Augenchirurgie FMH
Bahnhofplatz 4 / PF 4844
6002 Luzern
Tel.: 041 226 30 10
Fax: 041 226 30 15
www.augenarzt-lu.ch

Email Dr. med. Dietmar W.F. Thumm, Luzern